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Der Werk- und Denkplatz Schweiz

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5G-Moratorien: Die Maschinenstürmer von heute

Gemäss dem aktuellem IMD-Ranking sind wir eines der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. Massgeblich dafür ist unsere weltweite Spitzenposition bei der Innovation. Landauf landab wird betont: Innovation ist der Schlüssel zum Wohlstand, denn nur mit innovativen Herstellprozessen und Produkten können wir in der Schweiz angesichts unserer hohen Löhne und sonstigen Kosten produzieren und unsere Produkte weltweit verkaufen.
Doch Innovation fällt nicht vom Himmel. Innovation braucht die richtigen Rahmenbedingungen. Damit sind nicht Subventionen gemeint. Und erst recht nicht eine interventionistische Industriepolitik, in der Politik oder Verwaltung bestimmen, welche Technologien gefördert werden müssen. Innovation braucht stattdessen Freiraum. Ein Paradebeispiel dafür ist die rasche und grossflächige Einführung des 5G-Mobilfunkstandards in der Schweiz. Wer meint, das diene vor allem dazu, noch rascher Filme downloaden zu können, täuscht sich.

Vielmehr ist 5G beispielsweise Voraussetzung, dass Maschinen mit geringster Zeitverzögerung gesteuert und damit Herstellungsprozesse bedeutend schneller, effizienter und genauer werden. Diese Funktionalität kann dazu beitragen, dass die Zusammenarbeit von Automationssystemen und Robotern mit Menschen noch weiter optimiert werden können.
Will die Schweiz auch künftig ein Top-Produktionsstandort sein und sogar dank optimierten Herstellungsverfahren Tätigkeiten wieder in die Schweiz zurückholen, die vor einiger Zeit nach Asien verlagert wurden, dann dürfen wir zukunftsträchtige Technologien nicht verbieten. Dann darf es ganz konkret kein 5G-Moratorium geben, sondern es braucht einen raschen Ausbau des Netzes.
Wird so die Gesundheit auf dem Altar des Fortschritts geopfert? Das darf nicht sein, und das ist auch nicht der Fall: Eine Vielzahl von Studien belegt, dass 5G keine höhere Gefahr darstellt als drahtlose Kommunikation, die heute schon in diesem Frequenzbereich funkt. Angesichts der Strahlenexposition, der wir uns täglich freiwillig in der Freizeit aussetzen, ist die Diskussion weltfremd.

Die aktuelle Diskussion vernachlässigt zudem die Gefahren eines Verzichts auf ein 5G-Netz. Es besteht das Risiko, dass Firmen die neuesten Entwicklungen von IT-unterstützten Produktionsformen weniger hier in der Schweiz vorantreiben – zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Innovation im Gebäudetechnikbereich wird langsamer vorwärts gehen – zulasten des Klimas. Gleiches gilt für die verzögerte Einführung neuer Formen der Mobilität dank autonomem Fahren. Digitalisierung im Gesundheitswesen wird anderswo zuerst eingeführt – zulasten der Qualität und Kosten für Patientinnen und Patienten. Klar: Was genau die Innovation in den jeweiligen Bereichen ist, ist heute nicht voraussehbar. Aber genau deshalb wollen wir ja Innovations-Leader sein, um nicht mit Neid auf erfolgreiche Firmen aus Kaliforniens Bay Area oder dem Perlflussdelta zu schielen.

Maschinenstürmer waren in der Geschichte immer die Verlierer. Im 19. Jahrhundert wurden die ersten industriellen Textilbetriebe niedergebrannt von jenen, die ihren Verdienst schwinden sahen. Heute wäre unser Leben ohne die drei grossen Industrialisierungsschritte gar nicht vorstellbar – wir würden nicht in Wohlstand und Sicherheit leben, sondern wären noch immer das Armenhaus Europas, welches die Schweiz noch im 18. Jahrhundert gewesen war. Technologieverbote waren in der Vergangenheit falsch und sind es auch heute. Dafür stehe ich ein!

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