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Reform der Sozialwerke

Reform der Sozialwerke

Sozialwerke reformieren ist eine zentrale Aufgabe der nächsten Legislatur.

Wir werden alle älter und leben länger gesund. Das ist erfreulich und zeigt auch, dass es unserer Gesellschaft noch nie so gut gegangen ist. Allerdings muss das Alter finanziert werden und da können wir die Augen vor der Realität nicht verschliessen:

Immer weniger Berufstätige, um eine Person im Rentenalter zu finanzieren

Wir haben erstens immer weniger Junge, womit weniger Berufstätige eine Person im Rentenalter finanzieren (6.5/1948; 3.4/2015; 2.3/2035); wir arbeiten zweitens immer mehr Teilzeit, womit wir während unserer Lebensarbeitszeit weniger für die Rente ansparen können und wegen der Negativzinsen wirft das Angesparte seit Jahren kaum noch Erträge ab, so dass der ‘dritte’ Beitragszahler entfällt. Damit ist klar, ohne Reform erleiden die AHV und Pensionskassen Schiffbruch.

Je länger wir mit Reformen warten, je teurer werden diese.

Was kann gemacht werden?

Die Renten kürzen geht nicht im grossen Stil. Mit zusätzlichem Geld lässt sich das Problem ebenfalls nicht lösen: Bereits mit der Steuer-/AHV-Reform STAF werden jährlich 2 Milliarden Franken Steuern in die AHV fliessen. Dieser Riesenbetrag ist jedoch nur ein Tropfen auf dem heissen Stein und verschiebt das AHV-Loch einfach um einige wenige Jahre weiter nach hinten. Bereits 2030 werden der AHV wieder über 5 Milliarden fehlen und 2035 werden es sogar mehr als 10 Milliarden sein - das ist die gleiche Grössenordnung wie die jährlichen Bundesausgaben von knapp 8 Milliarden Franken für die gesamte Bildung und Forschung. Leidtragende ist die nächste Generation, welche das Loch dann stopfen muss. Deshalb braucht es jetzt Strukturreformen.

Wo wir ansetzen müssen

Killerargument dagegen ist, dass über 50-Jährige mehr arbeitslos seien. Das ist falsch: Ältere Arbeitnehmer haben die tiefste Arbeitslosigkeit, aber sind sie einmal arbeitslos, ist es für sie schwieriger wieder in den Arbeitsmarkt zurück zu kehren. Hier muss angesetzt werden:

• Die Arbeitgeber sind in der Pflicht, einerseits solchen Personen mit einer Einstellung eine Chance zu geben und andererseits ihre Mitarbeitenden auch im Alter konstant weiterzubilden.

• Die Gewerkschaften sind in der Pflicht, keinen speziellen Kündigungsschutz für diese Alterskategorie zu fordern, weil sonst eben ältere Personen nicht mehr eingestellt werden.

• Die Mitarbeiter sind in der Pflicht, sich (auf neuen Technologien) weiterzubilden und Schritt zu halten.

• Die Politik hat die Pflicht, diese Weiterbildung auch finanziell zu fördern, finanzielle Nachteile für eine Beschäftigung älterer Personen (z.B. BVG-Abgaben) zu reduzieren und die Wiedereingliederung von Stellensuchenden durch eine enge Begleitung durch die Arbeitsvermittlungszentren zu verbessern.

Die Industrie hat das Problem erkannt und erste Lösungen umgesetzt

In den kommenden Jahren verliert allein die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie dreimal mehr Personen aufgrund ihrer (Früh)-Pensionierung als sie selber ausbildet. Es mangelt uns also an erfahrenen und gut ausgebildeten Personen. Mit der MEM-Passerelle wollen wir in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern bereits Ausgebildeten eine Zusatz- und Zweitbildung für den Einsatz in der Industrie vermitteln. Solche Beispiele müssen Schule machen.

Konkrete Massnahmen für die erfolgreiche Reform der Sozialwerke

Die Reform der Sozialwerke muss parallel auf drei Schienen erfolgen:

• Rasch bedeutende Investitionen in Weiterbildung, damit die Leute länger arbeiten können – bis zum Regelrentenalter und darüber hinaus.

• Rasche Flexibilisierung des Rentenalters mit Anreizen für längeres Arbeiten über das Regelrentenalter hinaus. Hier geht die Reform von Bundesrat Berset in die falsche Richtung – er belohnt Frühpensionierungen und bestraft längeres Arbeiten im Vergleich zum Status Quo.

• Bis 2030 moderate Erhöhung des Rentenalters auf 66/66 und dann Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung. Kein weiterer Ausbau der Sozialversicherungen.

Studie zeigt, 50- bis 70-Jährige sind nicht gegen ein höheres Rentenalter

Eine Studie von Deloitte zeigt, dass knapp die Hälfte der Befragten zwischen 50 und 70 für das gleiche Rentenalter zwischen Mann und Frau ist. Etwa ein Drittel ist für ein generell höheres Rentenalter. Das ist ein gutes Resultat, denn hier handelt es sich um die direkt betroffene Altersgruppe. Jüngere und Ältere sind aus Eigeninteresse für Reformen. Mit obigem Dreipunkteplan schaffen wir eine Reform, welche längeres Arbeiten ermöglicht, die Renten sichert und die Kosten eindämmt, ohne die Steuern und Lohnnebenkosten ins Unermessliche steigen zu lassen.

 

PS: Stefan Brupbacher 2x auf Ihre Liste!

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